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Freigang

Freigang oder Knast

 

Haustiere im urbanen Umfeld.

 

Neulich in einer beschaulichen Siedlung am Rande der Stadt, bahnt ein strubbeliger Rauhaardackel seinen Weg durch benachbarte Vorgärten, Zeus sein Name. Zeus checkt sein Revier, sucht nach Essbarem und würde sich einer Paarung mit anderen Hündinnen aufgeschlossen zeigen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Zeus ist Freigänger, dies sei artgerecht und er scheint es auch zu wollen, sagen seine Besitzer. Schließlich zahle man Steuern für die Haltung von Zeus und der Dackel tut ja keinem was.

 

Wenn Sie bei dieser Schilderung aufschreien  „wo würden wir da hinkommen, wenn das jeder macht“, dann schauen Sie einfach zu den Katzen!

 

Basti ein Main Coon Mix, doppelt so schwer wie Zeus mit deutlich herausragenden Fangzähnen ist ebenfalls Freigänger. Basti hat zahlreiche Blessuren, wahrscheinlich auch vom Beutefang, da er mit seinen 9 kg auch nicht vor größeren Vögeln oder Karnichen halt macht. Doch Basti ist nicht Thema in der Vorstadtsiedung. Basti ist eine Katze, Katzen dürfen das.

 

Katzen ausschließlich in der Wohnung zu halten oder Freigang nur im gesicherten Garten zu gewähren, wird als Tierquälerei empfunden, als unzumutbare Einschränkung des Freiheitswillens der Katze - als Knast!

 

Doch wer hat hier die Grenzen gezogen, welche Tiere darf man frei laufen lassen, vor allem in der Nacht, damit Sie ungestört jagen können, und wo? In der Stadt, am Rande der Stadt – welche Einwohnerdichte auf den Quadratkilometer entscheidet zwischen Freigang oder Knast?

Wollen wir Frettchen, Papageien, Würgeschlangen, Hamster durch unsere Vorgärten turnen sehen und ab wie viel Kilo wird uns der beste Freund des Menschen dann doch ein wenig unheimlich?

In der Regel ziehen wir, die Gesellschaft diese Grenzen bis uns die Staatsorgane auf Drängen der Gesellschaft oder aufgrund der Aussicht auf Steuereinnahmen dies abnimmt.

 

Bei Katzen hat deren hohe Fruchtbarkeitsrate zahlreiche Städte und Kommunen bereits zu einer Kastrationspflicht von freilaufenden Katzen veranlasst. Doch dafür muss es natürlich einen „bekennenden Halter“ geben, ansonsten zahlt es wieder der Steuerzahler. Fragen zum Hamster oder zu dem Sexualdrang von Zeus sind da natürlich nicht geklärt.

 

Doch bräuchten wir uns im Grunde gar nicht mit diesen Fragen oder einer Kastrationspflicht beschäftigen, wenn die Halter tierischer Mitbewohner einfach ihrer Verantwortung nachkommen würden.

 

Verantwortung für das Tier und Verantwortung der Gesellschaft gegenüber. Wenn ich mir ein Motorrad kaufe, passe ich auch auf, dass es keinem Passanten auf den Fuß fällt oder  Öl auf die Strasse tropft und bei dem Nachbarn in den Rosen parkt man auch nicht im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten.

 

Und so verhält es sich auch mit den Haustieren, welche dem Gesetz nach auch nur eine Sache darstellen. Der Halter hat die Verantwortung, dass seine Tierhaltung keinen anderen gefährdet, dessen Besitz verschmutzt oder anders schädigt oder die Gesellschaft belästigt.

 

Und wenn man ganz ehrlich ist, sind unsere Städte und Siedlungen mit all ihren Gefahren und unnatürlichen Gegebenheiten auch kein wirklicher Freigang.

 

Die meisten Freigänger in Deutschland werden geklaut, für Tierversuche gefangen, Überfahren oder aufgrund der verbreiteten Krankheiten schon früh dahin gerafft, womit wir wieder bei der Verantwortung dem Tier gegenüber wären. Natürlich geht die Katze auf Pirsch, wenn ich es ihr ermögliche, doch ob es ihr dort wirklich besser geht als auf dem heimischen Sofa, wage ich zu bezweifeln.

 

Autor: Michael KAufmann